Südostasien

August 13th, 2011

Vor etwa zwei Wochen habe ich Australien nun verlassen und reise seitdem durch Südostasien.
Zuerst musste ich allerdings raus aus Kununurra und zu einem Flughafen, der von Etihad (meiner Airline) auch angeflogen wird. Also ging es mit dem Bus nach Darwin und danach mit dem Flieger nach Brisbane. Von dort aus dann nach Singapur, was ziemlich frustrierend war, da ich auf der Hälfte der Strecke wieder genau über Darwin war. Aber anders kam ich da nicht weg.

Singapur hat mir total gut gefallen, und ich kam mir ein bisschen vor wie in einem utopischen (oder dystopischen?) Science Fiction-Roman, weil die ganze Stadt so modern und sauber ist. Und weil es überall CCTV gibt.
Ich habe im arabischen Viertel in einem sehr netten Hostel zwei Nächte verbracht. Der Muezzin von der Moschee gegenüber hat mich nicht gestört, aber ich habe ja auch jahrelang zwischen zwei Kirchen gewohnt. Das hier ist die Straße, in der mein Hostel lag.

Zum Frühstück habe ich immer Toast mit dieser leckeren Cocos-Palmblatt-Marmelade gegessen. Zwei Gläser bringe ich auch mit nach Hause, die war einfach zu gut.

Hier noch was für alle Solinger aus nem Supermarkt in Singapur:

In der Stadt habe ich nicht viel Sinnvolles gemacht sondern mir hauptsächlich die unendlichen Shoppingmöglichkeiten sowie Chinatown angesehen.

Danach ging es mit dem Nighttrain nach Kuala Lumpur. Das ist eine günstige und sehr bequeme Art zu reisen.

In KL war ich nur eine Nacht, was vielleicht ein bisschen wenig war für diese verrückte Stadt.

Den Rest der Zeit verbringe ich gerade auf einer Insel namens Perhentian Kecil. Hier ist es (abgesehen von den feiernden Backpackern) schon ziemlich paradiesisch. Super Strand, super Wasser, super Essen, super Leute. :) Hier kann man auch tauchen und schnorcheln, aber ich habe leider keine Kontaktlinsen mitgebracht. Also verbringe ich die Tage mit baden, am Strand liegen, lesen und (natürlich) essen. Auch gut!

Aber das Wichtigste in SOA ist natürlich das Essen! Ich habe die ersten Tage hier so viel gefuttert wie lange nicht mehr. In Malls, an Straßenständen, in Restaurants, zu Hause im Hostel… überall ists lecker! Hier mal ein paar Impressionen:



In etwa zwei Tagen werde ich mich auf den Weg nach Bangkok machen und von dort aus geht es dann auch schon nach Hause. Freue mich schon auf’s Red. ;)

Für David:

Für Erik:

Für Heiko:

Ninas Ankunft

Juli 26th, 2011

ich bin ein wenig verrückt, aber was soll man machen. Ist halt alles doof ohne Nina…

Noch so lange, dann ist sie wieder da!

Schluchten, Wasserfälle und Billabongs…

Juli 11th, 2011

Huhu,

entschuldigung, dass ihr so lange nichts von mir gehört habt! Irgendwie habe ich hier immer was zu tun, so dass ich manchmal mit dem Blog schreiben nicht hinterherkomme.
Unter der Woche arbeite ich ja im Language Centre und ich muss sagen, dass das Praktikum noch viel besser ist, als ich erwartet hatte. Ich habe mir nun diverse kleine und größere Projekte gesucht und freue mich, dass ich tatsächlich was Sinnvolles zum Geschehen beitragen kann und nicht nur Kaffee kochen oder kopieren muss.
Das Centre ist allerdings auch überschaubar: Lediglich Knut arbeitet Vollzeit, unsere Admin-Officerin (?) Glenda ist den halben (oder Dreiviertel-?) Tag da, die Bookkeeperin (Gayle und ab heute dann Elizabeth) einmal die Woche, und die Projekt-Linguistin Frances hat auch einen Halbtagsjob. Sie arbeitet die andere Hälfte ihrer Zeit an der Nachbarsprache und ist auch diejenige, die vor etwa 40 Jahren die erste Dokumentation zum Miriwoong angefangen hat, nur mit Kassettenrekorder, Notizheft und einem Auto ausgestattet.
Außerdem haben wir noch etwa 5 Language Workers (also Miriwoong-Muttersprachler oder Fast-Muttersprachler), die an sich täglich von 8-12 arbeiten sollten. In der Realität können wir allerdings froh sein, wenn sie von Monatgs bis Mittwochs auftauchen.
Meistens werden sie zur Zeit von mir für Audioaufnahmen in Beschlaf genmmen. Im Moment arbeite ich nämlich daran, ausgesuchte Lexikoneinträge (so etwa 1500, schätze ich mal) als Audiofiles verfügbar zu machen und dabei so viele Sprecher wie möglich aufzunehmen. Langfristig soll das Ganze dann auch veröffentlicht werden, damit Linguisten und andere Interessierte auch was davon haben. :D
Ansonsten werkel ich noch an den Sprachkursen rum, schreibe an einem Kapitel über die Syntax (denn irgendwie hat dazu noch niemand was zu Papier gebracht), bereite den Seasonal Calendar als Booklet auf, erstelle mit Glennis ihren Stammbaum (zur Zeit 150 Personen und kein Ende in Sicht! Hat sie alles im Kopf! O_o), und, und, und… Ich habe also massig zu tun und bin total happy mit dem Job, besonders auch mit den netten Kollegen.
Und das ist ist -tatataa!- mein Arbeitsplatz:

Hier der Innenhof vom Language Centre. Im Raum rechts finden Language Classes und Meetings statt, rechts hinter uns ist das schallisolierte Aufnahmestudio und links im Gebäude ist unser Büro, Rezeption und Arbeitszimmer für die Language Workers.

Nun aber mal zu den Ereignissen der letzten Wochen:

Vor einem Monat waren wir mit der Arbeit für drei Tage im Keep River National Park und haben dort gecampt und kulturelle Aktivitäten (genauer: einen bestimmten Tanz) dokumentiert. Ich war für eine der Language Centre Kameras verantwortlich und abgesehen davon haben wir uns die Zeit im Nationalpark vertrieben.
Unser Camp war in einer ehemaligen Community, die aus ein paar Hütten bestand. Leider hatte die Regierung beim Bau nicht bedacht, dass die Gegend in der Wet Season so gut wie unbefahrbar ist, also wurde die Community von den Aborigines zunächst nur temporär bewohnt und später komplett verlassen. Eine Schande, denn der Ort ist wirklich total schön gelegen, am Fuße eines Berges und direkt mit anschließendem Billabong voller Seerosen.
Die verschiedenen Familien haben sich nach der Ankunft auf dem Gelände verteilt und ihre Lager aufgeschlagen. Ich habe zusammen mit Frances gecampt. Sie hat einen Pickup, in dem hinten eine Matratze eingebaut ist, auf der sie total bequem schlafen kann. Ich war ein bisschen neidisch mit meinem mickrigen Zelt. ;)

Für Essen für alle wurde von Sonya gesorgt. Sie ist Geomorphologin, spezialisiert auf Flussbetten, und arbeitet mit diversen Aborigine-Gruppen zusammen.

Wir hatten außerdem einen “Killer”, also ein ganzes (!) Rind, das frisch geschlachtet angeliefert und an alle verteilt wurde. Frances hat daraus unter anderem ein sehr leckeres Stew gekocht. Sie hatte außerdem Lust auf ein bisschen Leber und hat um ein Stück gebeten. Das hier hat sie bekommen: :D

Sehr lecker! Wir haben allerdings nicht alles geschafft…

Das Land gehört traditionellerweise bestimmten Mitgliedern der Community, die Fremde durch eine kleine Zeremonie begrüßen. Dabei wird man dem Land vorgestellt und mit ein bisschen Wasser besprenkelt. Neben mir waren noch zwei der Nationalpark-Ranger, Adrian und Yuki-san, neu an dem Ort, so dass wir zusammen das “Welcome to Country” erleben durften.

Yuki-san ist auch ein bemerkenswerter Mensch: Er hat 19 Jahre lang daran gearbeitet, endlich Nationalpark-Ranger in Australien werden zu können und es schlussendlich geschafft. Zwischendurch hat er schon Erfahrungen zu Hause in Japan und in Kanada sammeln können, immer mit dem Ziel, irgendwann endlich nach Australien zu kommen. Wir haben uns gut unterhalten und er hat sich gefreut, dass ich ein paar Brocken Japanisch kann (“Watashi-wa nihongo-o hanashimasen” ;) ).

Mit Sonya und einigen Mädels und Frauen sind wir spter zu einer Furt am Keep River gefahren und haben uns dort ein bisschen umgeschaut.

Eine Cane Toad haben wir dort auch gesehen und direkt flogen die Steine auf das Mistvieh – nachdem sie ursprünglich mal in Queensland zur Insektenvernichtung eingesetzt wurden, arbeiten die giftigen Kröten sich nun immer weiter nach Westen vor und bedrohen die einheimischen Tierarten.

Ein weiterer Punkt auf dem Plan für das Camp war die Besichtigung einer Rock Art Site, die durch ein Buschfeuer zerstört wurde. Der Platz ist wirklich einmalig gelegen, in einer Art Höhle, die nach beiden Seiten hin offen ist. Normalerweise kommen die Buschfeuer nicht so weit in die Höhle, aber da der Nationalpark Geländer aus Plastik für Besucher angebracht hatte, entwickelten sich beim Brand Dämpfe, die die Malereien geschwärzt haben. Zur Diskussion über Restaurationsarbeiten haben wir uns den Ort also angesehen.

Im Anschluss daran haben einige Männer Paperbark-Rinde gesammelt, um daraus Hüte für die Tanzaufführung herzustellen. Tolle Formen und jedes Stück absolut einzigartig! Später wurden sie noch mit weißem Pigment bemalt. Sonya und ich haben mal probegetragen. :D

Später saßen wir im Camp, wo Glennis und ihre Schwestern mir ein bisschen Kriol beigebracht haben. Das ist eine englischbasierte Kreolsprache, die von den Aborigines in Northern Territory und Kimberley gesprochen wird, und die neben Englisch ein Faktor für das Aussterben der traditionellen Sprachen ist. Trotzdem: Ai laikim Kriol! (oder so…)
Und hier sind Glennis (Mitte), eine ihrer Schwestern und ihre Enkeltochter. Und ich.

Der große Tanz fand dann am letzten Abend statt. Es war wohl eine Art Musical, das eine Geschichte in mehreren Akten erzählte. Allerdings habe ich keine Ahnung, wovon es handelte. Frances hat alles mit den alten Damen vorbereitet und ich hoffe, dass sie mir noch erzählt, worum es ging. Hier sieht man auch nochmal die schönen Merndang-Hüte, diesmal in weiß. :)

Das Tanz-Camp war für mich klasse, aber ich habe hier auch nochmal gesehen, was für ein Wahnsinnsaufwand es ist, diese kulturellen Aktivitäten zu organisieren. Das kann man sich vorher gar nicht vorstellen, und dass alles doch ganz anders kommt als geplant ist die Regel. Knut sagt mir immer wieder, dass man als feldforschender Linguist immer diverse Ausweichpläne parat haben muss. In der Tat!

Am nächsten Wochenende ging es dann wieder in die Wildnis: Diesmal allerdings privat mit Knuts Familie. Zur Zeit sind auch seine Schwiegereltern zu Besuch. Sie sind eigenlich Leverkusener (dank Bayer), leben aber mittlerweile in Schweden. Unsere gemeinsame Wanderung ging zu einer Schlucht namens Packsaddle Springs, die ein paar km von Kununurra entfernt liegt und einen nach einer etwa zweistündigen Wanderung durch das Flussbett mit einem gigantischen Wasserfall belohnt. Aber zuerst ging es durch den Busch, über Sand, durch den Fluss, über Felsen und an steilen Abhängen entlang. Seinen Ausblick muss man sich redlich verdienen, aber auch der Weg dorthin war (wie immer… ;) ) wunderschön.






Die typische Familienvater-Position am Rand der Klippe. Wenn ich mich nicht täusche, gibt es ähnliche Fotos sowohl von Papa als auch von Ulf-D. ;)

Für den Ausblick überwinde ich auch meine Höhenangst. :)

In der Nähe von Packsaddle Springs ist außerdem das Zebra-Rock-Café, wo man die namensgebenden gestreiften Steine kaufen kann. Die sehen aus wie angemalt, werden aber tatsächlich so aus dem Gestein geholt. Das Café liegt direkt am Lake Kununurra (eine gestaute Passage des Ord River) und man hat einen schönen Blick auf den Sleeping Buddha, und besonders auf den Teil der Formation, der “Elephant Rock” genannt wird.

Letzten Freitag hatte Frances auch Besuch von Verwandten und hat ihnen ebenfalls die Gegend gezeigt. Wieder einmal hatte ich das Glück, eingeladen zu werden, und so sind wir zu diversen Wasserlöchern in der Gegend gefahren, die bei Touristen noch nicht so bekannt sind. Das ist auch gut so, denn dort ist nur wenig Platz und mehr als eine Besuchergruppe passt dort nicht hin.
Am ersten Platz hat Frances uns auf Miriwoong dem Land vorgestellt und unseren Besuch erklärt, als Ersatz für ein traditionelles “Welcome to Country”. Danach waren wir in dem grandiosen Billabong baden, wirklich schön! Es waren jede Menge kleine Fische im Wasser, die in dichten Schwärmen um uns rumschwammen.



Hier sind (von links nach rechts) Michael, Ann, Frances und Bill vor dem Blackrock-Billabong.

Wie man sieht, hat Frances ebenfalls eine Vorliebe für ausgefallene Kopfbedeckungen: Sie sammelt Strohhüte und hat über zehn verschiedene. :D Mit ihrer Cousine und deren Familie habe ich mich auch total gut verstanden. Sie reisen gerade durch den Norden von Australien und kommen eigentlich aus Sydney. Beim gemeinsamen Essen später am Abend bei Frances haben sie mir von ihren Reisen, unter anderem nach Alaska, Russland und Cape York (in Australien) erzählt. Das war richtig spannend. Zum kröndenden Abschluss des Tages gab es einen köstlichen Apple-and-Berry-Pie mit Vanilleeis von Frances, der Beates Zitronenkuchen ernsthaft Konkurrenz macht. ;)

Letzten Samstag war wieder was los in Kununurra, denn die Agriculture Show fand statt. Das ist eine Mischung aus Kirmes und Landwirtschaftsmesse und die Stadt ist mal wieder voll mit Leuten. Es gab zig verschiedene Wettbewerbe, vom Schönsten Garten über die Leckersten Pancakes bis zur Besten Hutsammlung (hihi). Außerdem wurden diverse Wettbewerbe wie Tauziehen (in Achtmannteams) oder Rasenmäher-Wettrennen ausgetragen. Ich habe die Gelegenheit genutzt und mir einen echten australischen Cowboyhut gekauft. Endlich!

Btw: Das hier ist ein Geflügel (keine Ahnung, was für eins genau):

Gestern ging es dann wieder mit Knut und erweiterter Familie auf eine Wanderung, diesmal in der Nähe von El Questro Station auf der Gibb River Road. Wir waren die Schotterstraße ja vor etwa einem Monat schonmal gefahren, und da war der Zustand grandios, da der Grader kurz vorher die Strecke planiert hatte. In der kurzen Zeit seitdem hat sich die Straße aber drastisch verändert, und durch die Corrugations (Wellblechrillen) wird man ganz schön durchgeschüttelt. Dennoch ist es erstaunlich voll dafür, dass es sich eigentlich um eine der einsamsten Regionen Australiens handelt. Die Vorzüge der Kimberley haben sich wohl unter den Touristen rumgesprochen, und die Einsamkeit muss man nun mit vielen anderen Leuten teilen. Aber man kann ja niemandem einen Vorwurf draus machen, denn hier ist es einfach zu schön. :)
Am Morgen sind wir zu einer warmen Quelle gefahren. Dort sprudeln unter hohen Palmen kleine Wasserfälle und befüllen einige Billabongs, in denen man sich treiben lassen kann. Gemütlich wie in einer Badewanne und von Palmen beschattet. Wäre es ein bisschen weniger gut besucht, dann wäre es wirklich unschlagbar!

Danach wurde eine weitere Schlucht erwandert, diesmal die Moonshine Gorge. Der Weg war noch anstrengender als Packsaddle Springs, so dass wir für 5km etwa 2 1/2 Stunden gebraucht haben. Wieder ging es über Geröll, Sand und Felsen, sowie insgesamt sechs mal durch den Fluss. Puh!



Zum Glück gab es danach Lunch in Form von selbstgemachtem Sushi, sehr lecker!

Hier noch zwei “Touristenfotos” vom Anfang der Gibb River Road.

Übrigens, vor ein paar Tagen hat Glennis mir Boabnüsse geschenkt, die sie mit Schnitzereien verziert hat. Am Keep River hatte ich mir von ihr zeigen lassen, wie sie das macht, aber ich habe es irgendwie nicht richtig hinbekommen. Also hat sie mir welche geschnitzt, total nett! :D

Diese hier ist von ihrem Mann, den sie auch bequatscht hat, mir eine zu machen. :)

So, das war’s für heute. Glückwunsch an alle, die es bis hierher geschafft haben. ;)

Das gelobte Metallerland

Juni 26th, 2011

Mal wieder kurz was von mir…
Das wichtigste zu erst, ab spätestens 01.09.2011 haben wir eine nette Wohnung in Ohligs. Hiermit lade ich alle herzlich zum Umzug ein ;)
Des weiteren erlebt nicht nur Nina schöne Dinge, ich war (leider nur einen Tag, weil ich ein Lappen bin) am Donnerstag auf dem Death feast open air, bei dem ich meine spätpubertäre Seite mal wieder raushängen lassen konnte.
Metalfestivals hab ich echt vermisst!

Gone Fishin’…

Juni 12th, 2011

Gestern hatte ich das Vergnügen, das erste Mal in meinem Leben richtig fischen zu gehen. Knut hat mich eingeladen, ihn und seine beiden Kinder zum Lake Argyle zu begleiten, um dort ein paar Catfishes zu angeln. Das habe ich mir natürlich nicht entgehen lassen!
Der Lake Argyle ist ein etwa 70km langer Stausee, der aus dem Ord River entsteht und liegt etwa 1 Stunde mit dem Auto von Kununurra entfernt. Unter der Wasseroberfläche liegen übrigens einige wichtige spirituelle Stätten der Miriwoong, die dann mit dem Bau des Staudamms einfach überflutet wurden. Die Miriwoong hat natürlich niemand gefragt, ob sie auch damit einverstanden sind… Aber ohne Lake Argyle würde es auch Kununurra nicht geben, denn er versorgt die Region ganzjährig mit Wasser. Da die Wet Season so stark war, war der See noch vor zwei Wochen 8m über dem normalen Pegel, was bei dieser Größe eine gigantische Menge an Wasser bedeutet! Obwohl es hier monatelang nicht regnet, steht also immer genug Wasser zur Verfügung.

Auf der Fahrt zum See haben Knuts Kinder mir schon diverse Horrorgeschichten von Fischen aus dem Amazonas-Dschungel (wo sie mal gelebt haben) erzählt. Mir wurde aber versichert, dass die Fische im Lake Argyle ganz harmlos seien. Vorher kamen wir noch am “Spillway” vorbei, der überschüssiges Wasser ableitet und normalerweise nur ein kleines Bächlein ist. Aber wie ihr ja mittlerweile wisst, gibt es hier im Moment mehr Wasser als gewöhnlich.

Es soll im Lake Argyle nur so wimmeln von Catfishes, aber trotzdem war an der einzigen Bootsrampe des riesigen (laut Wikipedia 740 – 1000qm großen) Sees kein einziges Auto zu sehen. Wir waren also die einzigen Leute auf dem Wasser! Zum Glück war der Pegel schon so weit zurückgegangen, dass die Bootsrampe nicht überflutet war und wir gut das kleine Boot zu Wasser lassen konnten. Hübsch, nicht?

Bevor es losging, hat Mogli noch mit der Hilfe einiger Krabben ein paar etwa 10-15cm lange Bait Fische gefangen, die wir später als Köder für die größeren Artgenossen nutzen konnten. Mit seiner Hilfe habe ich es dann auch geschafft, meinen ersten kleinen Fisch zu fangen, allerdings erst, nachdem ich 3-4 Krabbenteile verschwendet hatte.
Dann ging es mit dem Boot nach draußen auf den Lake Argyle, wo die großen Fische warteten. Da es auf einem Stausee immer eine gewisse Strömung gibt und die Catfishes (Aquaristen kennen sie als “Welsartige”) sich immer am Grund aufhalten, war es notwendig, das Boot auf dem See festzumachen. Andernfalls wäre durch die Strömung der Köder trotz Senkblei nicht auf dem Grund angekommen. Dazu sind wir zu einer Platform im See gefahren, an der wir uns vertäuen konnten. Leider war der sonst so gute Angelspot nicht besonders stark von Fischen frequentiert, so dass niemand etwas gefangen hat – außer mir!
Als ich gerade meinen zweiten Köder runterließ, ruckte es plötzlich auf halbem Weg nach unten und ich ruckte zurück. Dann die Leine hochholen – das ging erstaunlich einfach und Knut und Mogli meinten schon, dass bestimmt nur ein Kleiner am Haken sei, da der Fisch sich kaum gewehrt hat. Als Knut ihn dann ins Boot holte (ich habe mich nicht getraut wegen der bösen Giftstacheln), war das Staunen groß: Ganze 69cm war der Fisch lang! So ein Riesenvieh!



Später hat Knut es dankenswerterweise für mich übernommen, den Fisch auszunehmen.

Ich habe mir dann zwei schöne große Filets fürs Abendessen mitgenommen. Es hat gemundet! :-D

Am Nachmittag sind wir noch ein bisschen auf dem See rumgedüst, aber da es ein recht windig war, konnten wir nicht allzu weit rausfahren und die Geschwindigkeit mussten wir auch beschränken. In so einem kleinen Boot wird man schon ganz schön durchgeschüttelt!


Die Landschaft war, wie immer hier, natürlich wieder wunderschön, und da wir fast allein auf dem See waren, war es auch wunderbar friedlich.

War ein super Tag, den ich mit einem Besuch in Kununurras Open-Air-Kino abgeschlossen habe. Hier laufen einmal wöchentlich am Samstag zwei Filme, die einzige Möglichkeit, hier mal ins Kino zu gehen. Das war sehr schön aber auch sehr kalt!

Nächste Woche geht es wieder für ein paar Tage mit der Arbeit in den Keep River National Park, wo es einen Camp-Workshop zum Erlernen der traditionellen Tänze gibt. Ich werde dort auch zelten und bei der Dokumentation (also Foto- und Videoaufnahmen) helfen. Für die Nächte sind Temperaturen um die 8° angesagt; ich ziehe mich schonmal warm an!

Zum Abschluss noch ein hübsches Detail von einer Pflanze am Spillway:

Home Valley Station

Juni 6th, 2011

Nun kann ich endlich die letzte Sache, die ich mir für Australien vorgenommen hatte, abhaken. Und das, obwohl ich schon nicht mehr damit gerechnet hätte, dass ich es überhaupt hinbekomme: Ich war auf der Gibb River Road und habe mir dort einen Teil der wunderschönen Kimberley-Landschaft angesehen. Grund für den Ausflug war ein “Church-Camp” von Knuts und Michaelas Gemeinde, zu dem sie mich auch eingeladen hatten. So habe ich nun das lange Wochenende von Freitag auf Montag mit etwa 8 anderen Familien auf einem Campground auf “Home Valley Station” verbracht, Andachten und Gottesdienst inklusive… Aber ich hatte ja Davids gute Wünsche (“Lass dich nicht bekehren!”) mit auf den Weg bekommen. :)

Ein Großteil der Kimberley-Region ist ziemlich unzugänglich und für gewöhnlich fährt man am unteren Rand auf dem Highway, wenn man von Broome oder Derby im Westen nach Kununurra oder Wyndham im Osten möchte. Wer abenteuerlustig ist, wählt allerdings die kürzere Schotterpiste, die quer durch das unwegsame Gelände führt – die Gibb River Road (660km lang). Das Land auf dem Weg gehört diversen Cattle-Farmen, die sich mittlerweile auch um die immer größer werdenden Touristenscharen bemühen. Dazu werden Campgrounds und auch luxuriösere Unterkünfte bereitgestellt. Auf der ganzen Strecke gibt es allerdings keine Ortschaft, nur Stations und Roadhouses. Home Valley Station ist nur etwa 50km vom Highway entfernt, also mussten wir nicht besonders viel Schotterpiste fahren. Dennoch wurde die Landschaft schnell noch spektakulärer als rund um Kununurra. Allein die Fahrt zum Camp war schon sehr sehenswert; in den nächsten Tagen haben wir uns dann noch mehr angeguckt.

Home Valley Station hat einen sehr schönen Campingplatz, der mit öffentlichen Feuerstellen ausgestattet ist, wo wir dann abends Lagerfeuer gemacht haben. Leider hatten wir das Pech, direkt neben dem (zugegebenermaßen grandiosen) Kinderspielplatz zu campen. Das war besonders morgens um 6 Uhr sehr unschön. Keine Gnade für die Ohren!
Mein Zelt ist übrigens das Rechte.

Auf dem Campground steht unter anderem auch dieser hohle Boab. Wir man sieht, lebt er noch, obwohl er eigentlich ziemlich ramponiert ist. Eine gute Kletterwand gibt er auch ab.

Am Samstag haben wir uns mit der ganzen Truppe nachmittags auf einen Walking Track begeben, der einen in 1,5km zur Bindoola Gorge bringt. Allerdings führt der Weg quer durch den Bush und besteht nur aus einem dünnen Trampelpfad, den wir (die “Vorhut”) dann leider auch irgendwann verloren haben. Plötzlich fanden wir uns in dichtem Gestrüpp wieder und vom Rest der Leute war auch keine Spur zu sehen.

Knut hat uns dann allerdings zielstrebig querfeldein in Richtung der Gorge geführt, die wir auch nach etwa 15 Minuten erreicht haben. Der Rest der Gruppe war allerdings irgendwo anders hingegangen – so hatte wir die schöne Schlucht für uns allein, so dass ich es gar nicht so schlecht fand, dass wir ein bisschen vom Weg abgekommen waren.

Das Thema des Camps war “Treasures”, und so hatten wir die “Aufgabe” bekommen, nach kleinen Schätzen zu suchen. Später in den Andachten haben wir dann darüber gesprochen, was wir Schönes gefunden oder erlebt haben. Ich fand es sehr nett, dass sich alle darüber ausgetauscht haben und demnach auch aktiv nach besonderen Dingen Ausschau gehalten haben. Als Aktivität hat jede Familie außerdem eine “Treasure Box” zum bemalen bekommen, wo die Fundstücke dann reingelegt werden konnten. Auch wenn es wahrscheinlich eher für die Kinder gedacht war, habe ich trotzdem fleißig mitgemacht und mein Box mit Bildern von der Landschaft und vom Sternenhimmel verziert. War ein bisschen wie die Pfadfinderlager als Jugendliche. In meiner Box haben sich ein paar Steine, ein paar Blüten, eine Samenkapsel, getrocknete Fischschuppen und zerriebene Steine (Ochre, also organe-braunes Pigment) angesammelt. Die Bibelverse, die mir gegeben wurden, habe ich allerdings nicht reingetan… Hat jedenfalls Spaß gemacht, mit Knuts Sohn (Mogli) nach kleinen Schätzen zu suchen.

Am Sonntag ging es dann mit allen 8 Geländewagen auf einen Offroadtrip am Pentecost River entlang. Dieser kreuzt die Gibb River Road an einer Furt, was einer der Gründe dafür ist, dass man die Straße nur zur Dry Season befahren kann. Da die Wet dieses Jahr aber so heftig war, war der Pegel immer noch bei etwa 40cm. Das Flussbett ist sehr steinig, so dass wir beim Durchfahren ordentlich durchgeschüttelt wurden.



Nach der Furtdurchquerung ging es dann im Schneckentempo auf einen Offroad-Track, der jedes Jahr durch die Wassermassen in der Wet Season stark verändert wird, da alte Wege ausgewaschen werden und sich plötzlich tiefe Spalten in der Landschaft auftun. Da ist man froh, einen netten Landcruiser mit viel Bodenfreiheit zu haben!


Jetzt in der Dry Season ist alles total trocken und staubig, besonders wenn 8 Geländewagen auf einmal unterwegs sind und alles aufwirbeln. Doch manchmal findet man noch ein Billabong, an dem es grün ist. Und die Rinder sind auch happy. Wenn sie am Wasserloch sind, stehen sie wenigstens nicht auf dem Track rum und versperren einem den Weg!

Wir haben einen Stop zum Morning Tea eingelegt und später Lunch in der Nähe des Ufers vom Pentecost gemacht. Dort gab es dann auch einen Gottesdienst in freier Natur, bei dem Amazing Grace gesungen wurde (schön!) und ich mir ansonsten etwas fehl am Platze vorkam (nicht so schön). Aber so ist das wohl als überzeugter Atheist in einem Gottesdienst. :)

Später ging’s dann am Flussufer angeln. Man darf nicht zu weit runter ans Ufer, da dort Salties (Salzwasserkrokodile, also die gefährlichen) rumschwimmen können. Das, was auf dem Foto wie ein Baumstamm aussieht, ist wohl eins. Es trieb aber nur harmlos an uns vorbei.

Als Köder zum angeln hat Knut Lammherz genommen. Da es schon ein paar Tage im Esky lag, roch es allerdings etwas streng…

Leider hatten wir nur wenig Zeit, aber ein Fisch hat schnell angebissen, nur ein paar Sekunden bevor Knut mir die Angel in die Hand drücken wollte.

Es war ein Catfish (die man hier wohl am leichtesten an den Haken kriegt), und leider nicht besonders groß. Da die Viecher so einen großen Kopf haben, bleibt leider nach dem zurechtstutzen nicht viel übrig.

Die Catfishes haben auch böse Giftstacheln, deshalb muss man beim ausnehmen vorsichtig sein. Tony, der Pastor, hat mir erzählt, dass die Stiche zwar nicht wirklich gefährlich sind (außer ein eventueller Schockzustand), aber dass sie unsäglch wehtun, und das tagelang. Sowohl ihn als auch seine Frau hat es mal erwischt. Mogli war dementsprechend umsichtig, als er den Fisch getötet und ausgenommen hat. Für mich sah es trotzdem irgendwie gruselig aus…

Abends haben Michaela und ich uns dann das Fischfilet geteilt. War gar nicht fischig (sondern eher wie Hühnchen) und daher sehr lecker. Ich hoffe auf einen weiteren Angelausflug am Lake Argyle mit mehr Zeit.

Auf dem Rückweg haben Michaela und ich Videos von unserer Truppe an einem besonders netten Abhang gemacht. Ist nicht soo spannend, aber vielleicht trotzdem ganz interessant:

Heute früh waren wir dann noch an den Bindoola Falls.

In der Wet Season ist es ein gigantischer Wasserfall (auf dem Foto oben sieht man nur die eine Hälfte), doch in der Dry vertrocknet er, so dass man dort, wo das Wasser normalerweise runterstürzt, entlanglaufen kann. Wir hatten allerdings Glück und durch die späte und heftige Wet haben wir noch ein paar Rinnsale gesehen. Sehr imposant das ganze, und ich habe mich trotz meiner Höhenangst an den Abgrund gewagt! Zugegebenermaßen musste Knut mich allerdings erst dazu animieren. :)



Man beachte das Auto und die bunten Punkte (Menschen) im Hintergrund, um ein Gefühl für die Größenordnung zu bekommen.

Was mich besonders beeindruckt hat an diesem Wochenende war wieder einmal der Sternenhimmel, der hier einfach unbeschreiblich beeindruckend ist. Der Nachthimmel hier im Outback gehört neben Lagerfeuer und Wasserfällen (und David ;) ) zu den Dingen, die ich mir ewig lang angucken könnte. In weiser Voraussicht hatte ich mein Buch mit den Constellations dabei und habe tatsächlich viel gefunden. Auch die ISS habe ich vorbeihuschen sehen.
Wen es interessiert:Das Southern Cross erkennt man hier sofort beim hochgucken, außerdem auch Alpha und Beta Centauri, die direkt daneben liegen und sehr hell sind. Scorpius ist auch gut zu finden; dieses Sternzeichen liegt übrigens genau in Richtung Zentrum unserer Galaxie. Dort ist die Milchstraße dementsprechend tatsächlich auch am hellsten, da sich dort ja die meisten Sterne befinden. Außerdem kann ich nun Corona Australis, Teile von Centaurus, Carina, Teile von Leo, Teile von Virgo, Boötes, Corona Borealis und natürlich den großen Wagen (gerade noch sichtbar von hier aus) finden, ohne mein Büchlein zu konsultieren. Toll, was? ;)
Ich würde mir so gerne Binoculars oder ein Teleskop zulegen, aber ich fürchte, dass die ganze Sternenguckerei am deutschen Himmel nicht so viel Spaß machen wird, weil einfach nicht so viel zu erkennen ist. Ich kann mich nicht erinnern, in Deutschland die Milchstraße mal klar gesehen zu haben. Hier ist sie hingegen kaum zu übersehen, ein eindeutig milchiges Band quer über den Himmel. :-D

Naja, genug über Sterne (davon kann ich leider keine Fotos machen), dafür nun noch eine Auswahl an Panorama-Fotos der Landschaft:
So sieht es um Home Valley Station überall aus. Man beachte auch den von unserer Truppe aufgewirbelten Staub weiter hinten.

Mein aktueller Bildschirmhintergrund:

Und kurz vor Sonnenunergang…

Außerdem: Überraschende Blütenpracht in der kargen Landschaft.

Und eins von diversen Motiven für meine Desktophintergrund-Collection.

Alltag in Kununurra

Mai 29th, 2011

So, jetzt bin ich schon etwas mehr als einer Woche in Kununurra und da so viele Anfragen kamen, werde ich mal ein bisschen was über meinen Alltag hier erzählen.

Wie schon erwähnt handelt es sich bei Kununurra um einen 6000-Einwohner-Ort an der Grenze zum Northern Territory. Wenn man die Kimberley-Region bereisen möchte, dann ist das hier ein guter Startpunkt. Durch einen Staudamm am Lake Argyle und am Lake Kununurra ist die Wasserversorgung gesichert, so dass es hier jede Menge Landwirtschaft gibt. Daher sind auch ziemlich viele Asiaten in dem Hostel, in dem ich wohne, da die alle auf den Feldern arbeiten. Die Stadt selbst ist noch ziemlich jung und ist erst in den 60er Jahren entstanden, zusammen mit dem Damm.
Es gibt einen Berg, Kelly’s Knob, der Kununurra “überragt” und nördlich an die Stadt angrenzend einen kleinen Nationalpark, Hidden Valley bzw Mirima NP. Er wird auch “Kleine Bungle Bungles” genannt, nach einem bekannteren Nationalpark ein paar 100km entfernt, der ähnliche (wenn auch viel größere) Gesteinsformationen aufweist. So sehen die aus:

Die Landschaft hier finde ich total mitreißend und gestern haben Knut und Michaela (mein Praktikumsleiter und seine Frau) mich mal in ihren Landcruiser gepackt und mir ein bisschen die Gegend gezeigt. Sie hatten mich am Montag schon zum essen eingeladen (es gab Spaghetti Carbonara und Papaya aus dem Garten), total nett! :)

Wir haben uns eine Aborigine-Malerei etwas nördlich von Kununurra angesehen, aber davon war leider nicht mehr viel übrig, da alles durch ein Buschfeuer geschwärzt war. Bis auf zwei asphaltierte Straßen gibt es nördlich von Kununurra übrigens bis zum Meer nur noch Schotterpiste. Man fühlt sich schon sehr im Nirgendwo!

Danach ging’s zum Invanhoe Crossing, einer asphaltierten Furt (die auch einen fünfsekündigen Auftritt im Film “Australia” hatte). Normalerweise ist sie um diese Jahreszeit befahrbar, aber da die Wet Season dieses Jahr so ausgeprägt war, war der Fluss noch deutlich höher als gewöhnlich. Die Schleusen am Lake Argyle und am Lake Kununurra sind im Moment weit geöffnet, da der Lake Argyle noch 8m über dem normalen Pegel liegt. Um Wasserknappheit braucht man sich trotz den Trockenheit hier keine Sorgen zu machen!



Wenn man genau hinsieht kann man erkennen, dass dort zwei Männer mit Hund und Bier an einem Picknicktisch im Wasser sitzen. Normalerweise ist dort der Parkplatz und man kann da Rast machen. Sorry, das Foto ist gegen die Sonne fotografiert und sie stand schon tief.

Gut gefallen mir hier auch die für die Region typischen Bäume, die Boabs. Das Mirwoong-Wort dafür habe ich auch schon gelernt. ;) Die Exemplare auf dem Bild sind nicht so beeindruckend, aber manche haben wirklich lustig flaschenförmige Stämme. Die großen Früchte haben ein weißes trockenes Inneres, das man wohl essen kann, wie mir eine der Language Workerinnen erzählte. Ich habe eben mal eine gesammelt und etwas gekostet. Naja, etwas merkwürdig, der Geschmack.

Ein weiterer markanter Berg neben Kelly’s Knob ist der “Sleeping Buddha” bzw. “Elephant Rock” südlich vom Highway und hinter’m Lake Kununurra.

Damit ihr wisst, wie ich wohne sind hier auch ein paar Fotos vom Hostel, in das ich letzten Montag umgezogen bin. Hier habe ich ein Dreibettzimmer mit Kühlschrank, Fernseher und eigenem Bad für mich alleine. Sehr luxuriös!

Nur die Küche ist der absolute Alptraum, da sich die potentiellen 130 Bewohner des Hostels insgesamt nur drei Herde teilen müssen, die in desolatem Zustand sind. Der Vorteil an meiner Bleibe ist, dass direkt auf der anderen Straßenseite der größte Supermarkt in Kununurra liegt, wo ich meine Lebensmittel kaufe. Sehr praktisch! Hier mal der Blick von meiner Zimmertür zur Straße:

Und hier der Innenhof:

Von meinem Praktikumsplatz habe ich leider noch keine Fotos. Aber ich habe ja noch 9 Wochen Zeit, das nachzuholen.
Für alle, die es noch nicht wissen: Ich arbeite im Mirima Dawang Woorlab-gerring Language and Culture Centre (=”Mirima Place for Talking”). Dort versucht man, die lokale Aborigine-Sprache, das Miriwoong, zu dokumentieren und nach Möglichkeit auch zu erhalten. Letzteres gestaltet sich als recht schwierig, da es nur noch unter 20 Muttersprachler gibt und diese alle schon Senioren sind. Der letzte Sprecher der benachbarten Sprache Gajirrabeng ist beispielsweise letztes Jahr verstorben. :(
Ich arbeite dort jedenfalls mit Knut (der auch in Düsseldorf Linguistik studiert hat) und den Aboriginal Language Workers (allesamt super nett) an verschiedenen Projekten, u.a. an der Aufbereitung der Materialien zu den Sprachkursen und an einem Überblick über die Syntax. Es ist total spannend, mal linguistische “Feldforschung” live durchzuführen und die ganzen Probleme, die so auftreten, mitzuerleben. Wenn man deutsche Effizienz gewöhnt ist, dann muss man sich auf jeden Fall sehr umstellen, ganz zu schweigen von den Problemen innerhalb der Communities. Da ist Berlin-Neukölln nichts gegen. Ahem.

Nunja, der “Ältestenrat” der Community hat vor einigen Jahren das Language Centre und weitere Institutionen ins Leben gerufen, um die Kultur zu erhalten und die Leute zu unterstützen. Im ganzen Land liegt hier jedenfalls einiges bezüglich der Aborigines im Argen, und daran sind sicher nicht die Schwarzen allein schuld. Wenn man sich die Geschichte Australiens der letzten Jahrhunderte im Hinblick auf die Aborigines mal anguckt, dann braucht man sich nicht wundern, dass es heute einen Haufen Probleme gibt. Das scheint den weißen Australiern allerdings nicht bewusst zu sein, denn jeder lästert hier fröhlich über die blöden “Nigger”, die nichts anderes tun als im Park zu sitzen und zu saufen. Reflexion zur jüngeren Geschichte ist hier von Seiten der weißen Australier jedenfalls nicht zu spüren. Eine Entschuldigung der Regierung zur “Stolen Generation”, also der Entführung von Halb-Aborigine-Kindern in Umerziehungslager bis in die 1960er, ist beispielsweise erst 2008 erfolgt!
Im Gegensatz dazu finde ich die Vergangenheitsbewältigung in Deutschland vorbildlich, wenn ich das mal so arrogant sagen darf.

Nunja, das hier ist ja ein Reiseblog und keine politisches Blog, daher soll das nun nicht zu sehr ausufern, aber wenn man mit Aborigines zusammenarbeitet und die Zustände sieht, dann ist einem das halt nicht egal…

Wie auch immer, die Arbeit macht jedenfalls sehr viel Spaß, auch wenn ich diese erste Woche noch nicht viel Produktives geleistet habe. Ich habe an vielen Informations-Seminaren teilgenommen, u.a. den Sprachkursen für die Girls und der ersten Sprachkurs-Stunde für die Public Class. Außerdem saß ich beim “Ältestenratstreffen” dabei, wo ich einen guten Einblick in den Organisationsablauf des Language Centres und der Community bekommen habe. Außerdem habe ich an einem eintägigen “Cultural Awareness Training” teilgenommen, in denen man einen Überblick über die kulturellen Unterschiede zwischen Miriwoong und Weißen bekommen hat. Das war sehr spannend und ich nehme an, dass es gerade mal an der Oberfläche gekratzt hat. Leider sind die Miriwoong mit ihrer Informationspolitik sehr strikt, so dass ich keine Beispiele geben darf. Information sollte nämlich nur persönlich von Angesicht zu Angesicht übergeben werden. Hups, jetzt habe ich doch was verraten. ;)

Montag (also morgen) werden wir mit dem Centre einen Buschtrip machen, denn die Miriwoong haben einen “Native Title” zugesprochen bekommen, was heißt, dass die Regierung anerkennt, dass ein bestimmter Teil des Landes tatsächlich traditionell ihnen gehört. Das wird mit einer Zeremonie und (ich glaube) ein paar Regierungsvertretern gefeiert und danach übernachten wir im Busch. Ich freu mich und bin gespannt, wie das so alles abläuft!

Zum Abschied noch ein Foto vom Straßenfest letzten Samstag. Dort gab es eine Lichterparade und ein riesiger Barramundi wurde durch die Straßen getragen. :)

Oh, und noch eins: Lake Kununurra am Swim Beach:

Der neue Job… in Deuschland

Mai 25th, 2011

Da es jetzt offiziell ist hier noch kurz, für alle die es noch nicht mit bekommen haben:
Ich (David) bin wieder in Deutschland und werde ab 01.06. in einer “gehobenen” Position wieder in der IKB arbeiten.

Das soll reichen :)

PS: Ich vermisse Nini so sehr

Adelaide –> Alice –> Katherine –> Kimberley

Mai 22nd, 2011

Endlich bin ich regeneriert genug, um mal wieder einen Blogeintrag zu schreiben. Letzten Mittwoch habe ich mich auf den langen Weg von Adelaide in South Australia zu meinem Praktikumsort Kununurra im Norden von Western Australia gemacht. Eine Entfernung von etwa 3200km, für die ich 3 Tage und zwei Nächte unterwegs war.

Mittwoch gegen Mittag hat David mich zum Bahnhof gebracht, wo ich in den “Ghan” eingestiegen bin – Australiens legendärer Transkontinentalzug von Adelaide im Süden bis Darwin im tropischen Norden. Der Zug ist inkl. Lok über 700m lang und fährt mit einer “atemberaubenden” Durchschnittsgeschwindigkeit von 85km/h. Kein Wunder, dass es ewig dauert, den Kontinent zu durchqueren! Ich bin allerdings nur bis Katherine und nicht bis zur Endhaltestelle nach Darwin gefahren um von dort in den Greyhound-Bus nach Kununurra im Westen umzusteigen.

Auf der Fahrt verlässt man nach etwa 3 Stunden bei Port Augusta (wo auch das obere Foto entstanden ist) die in Südaustralien ohnehin kaum vorhandene Zivilisation. Es folgt stundenlang das Outback, bis man am nächsten Mittag in Alice Springs ankommt. Irgendwo auf dem Weg kam uns dann der andere Ghan entgegen, der netterweise direkt vor meinem Fenster gehalten hat:

In Alice gab es einen Halt von ein paar Stunden, in denen man die Stadt erkunden konnte. Hier mal ein Blick auf den Zug im “Bahnhof” von Alice:

Ich bin natürlich in der billigsten Klasse gereist, die dennoch sehr komfortabel war. Es gab gemütliche Sitze, die für die Nacht in eine fast waagerechte Position umklappen ließen und für einen kleinen Preis gab es auch Eintritt in die “Lounge”, wo man gemütlich so viel Tee und Kaffee zu sich nehmen konnte, wie man wollte und einen tollen Blick nach draußen hatte.
Ich hatte auf dem ersten Teil der Reise auch eine sehr nette Sitznachbarin, eine britische Renterin, die nun in Thailand lebt und dort in engem Kontakt mit einer Volunteer-Organisation ist, die immer wieder Leute suchen, die ein paar Wochen oder Monate als Englisch- oder Deutschlehrer arbeiten. Wir haben mal eMailadressen getauscht…

Von Alice aus ging es weiter nach Katherine, ein noch kleineres Kaff im Nirgendwo, das aber ebenfalls ein Verkehrsknotenpunkt ist, da man von hier nach Westaustralien abbiegen kann. Dort bin ich dann in den Greyhound umgestiegen und nochmal 5 1/2 Stunden nach Westen gefahren, bis ich endlich in Kununurra am Rand der Kimberley-Region angekommen bin. Auf den letzten paar Hundert Kilometern wurde die Landschaft immer spektakulärer: Grünes Outback (die Wet Season ist gerade vorbei), Hügel, Klippen, Rauchschwaden in der Ferne, wassergefüllte Creeks… Total schön! Leider gibt’s keine Fotos, da ich mit gucken beschäftigt war.
Hier in Kununurra ist nun wieder richtig schönes Wetter mit um die 30°, auch wenn es hier die kälteste und (glücklicherweise) trockenste Zeit des Jahres ist. Kein Vergleich zu Adelaide, wo wir jede Nacht gefroren haben! Hier mal Fotos von der Straße vor meinem Hostel und von Kelly’s Knob, einem Hügel von dem aus man die Stadt überblicken kann:

Für die ersten drei Tage habe ich mich in einem sehr schönen Hostel (Kimberley Croc Backpackers) einquartiert, bis ich dann morgen in die Kimberley Croc Lodge, eine Unterkunft für long term stays, umziehe. Die Zimmer sind schön sauber, es gibt einen großen Innenhof mit Sitzgelegenheiten und Palmen (siehe Foto) und der Supermarkt ist nur einen Block weiter. Bin sehr zufrieden!

Und hier sitze ich gerade und schreibe den Blogeintrag, während winzigkleine Fliegeviecher mich aufessen:

Da es auf der Südhalbkugel gerade Winter ist, geht die Sonne übrigens auch schon recht früh unter. Wir haben es gerade etwa 16 Uhr und die Schatten sind schon ziemlich lang.

Gestern Abend war ich auf dem “Barramundi Concert”, einem Community Festival mit vielen Aborigine-Künstlern. Es gab Tanzgruppen (unter anderem eine Gruppe vom Language Centre), Rock- Country- und RnB-Gruppen, eine Modenschau und lauter so Kram. Es waren massig Kinder da und gab natürlich ein striktes Alkohol-, Rauch- und Drogenverbot, was auch oft von der Moderatorin der Veranstaltung wiederholt wurde. Ich hatte den Eindruck, dass sich der Großteil der Leute dort auch dran gehalten hat. Habe leider keine Fotos gemacht, aber vielleicht kriege ich noch welche von der Holländerin, mit der ich den Abend dort verbracht habe. Die werden dann nachgereicht.
Gleich gehe ich auf’s Straßenfest zum Ende der “Ord Valley Muster Season”, das 100m von hier entfernt ist. Und morgen fängt dann mein Prakitkum an. Ich bin gespannt und voller Vorfreude (und auch ein bisschen nervös…), was da so auf mich zukommt.

Australische Preise

Mai 7th, 2011

Heute haben wir uns mal den Spaß gemacht und ein paar Preisschilder im Supermarkt fotografiert. Der aktuelle Umrechnungskurs ist 0.75 AUD = 1 Euro.
Sorry für die schlechte Qualität der Bilder, aber ich wollte im Supermarkt/Liquorshop nicht mit Blitzlicht knipsen.


700g Rumpsteak für $9.91 (7,41 Euro).


Eine Tiefkühlpizza zum halben Preis für nur $3.39. Bargain! Normaler Preis: 5,08 Euro.


Großpackung Scheiblettenkäse für $11.49 (8,60 Euro).


Sierra Tequila für $40.99 (30,66 Euro).


Amaretto für $39.99 (29,91 Euro)


Sixpack Hansa für $19.99 (14,95 Euro).


Super Angebot! 24x375ml XXXX (Australisches Bier) für $38.95 (29,14 Euro). Diese 24-Packs sind übrigens die übliche Bierkaufgröße hier.

Bananen kosten dank Zyklon Yasi übrigens $12.98 (9,71 Euro) pro kg, aber das Bild kriege ich leider nicht hochgeladen.

Achja, bitte Davids neuen Beitrag direkt hier drunter nicht übersehen! :)