Alltag in Kununurra

So, jetzt bin ich schon etwas mehr als einer Woche in Kununurra und da so viele Anfragen kamen, werde ich mal ein bisschen was über meinen Alltag hier erzählen.

Wie schon erwähnt handelt es sich bei Kununurra um einen 6000-Einwohner-Ort an der Grenze zum Northern Territory. Wenn man die Kimberley-Region bereisen möchte, dann ist das hier ein guter Startpunkt. Durch einen Staudamm am Lake Argyle und am Lake Kununurra ist die Wasserversorgung gesichert, so dass es hier jede Menge Landwirtschaft gibt. Daher sind auch ziemlich viele Asiaten in dem Hostel, in dem ich wohne, da die alle auf den Feldern arbeiten. Die Stadt selbst ist noch ziemlich jung und ist erst in den 60er Jahren entstanden, zusammen mit dem Damm.
Es gibt einen Berg, Kelly’s Knob, der Kununurra “überragt” und nördlich an die Stadt angrenzend einen kleinen Nationalpark, Hidden Valley bzw Mirima NP. Er wird auch “Kleine Bungle Bungles” genannt, nach einem bekannteren Nationalpark ein paar 100km entfernt, der ähnliche (wenn auch viel größere) Gesteinsformationen aufweist. So sehen die aus:

Die Landschaft hier finde ich total mitreißend und gestern haben Knut und Michaela (mein Praktikumsleiter und seine Frau) mich mal in ihren Landcruiser gepackt und mir ein bisschen die Gegend gezeigt. Sie hatten mich am Montag schon zum essen eingeladen (es gab Spaghetti Carbonara und Papaya aus dem Garten), total nett! :)

Wir haben uns eine Aborigine-Malerei etwas nördlich von Kununurra angesehen, aber davon war leider nicht mehr viel übrig, da alles durch ein Buschfeuer geschwärzt war. Bis auf zwei asphaltierte Straßen gibt es nördlich von Kununurra übrigens bis zum Meer nur noch Schotterpiste. Man fühlt sich schon sehr im Nirgendwo!

Danach ging’s zum Invanhoe Crossing, einer asphaltierten Furt (die auch einen fünfsekündigen Auftritt im Film “Australia” hatte). Normalerweise ist sie um diese Jahreszeit befahrbar, aber da die Wet Season dieses Jahr so ausgeprägt war, war der Fluss noch deutlich höher als gewöhnlich. Die Schleusen am Lake Argyle und am Lake Kununurra sind im Moment weit geöffnet, da der Lake Argyle noch 8m über dem normalen Pegel liegt. Um Wasserknappheit braucht man sich trotz den Trockenheit hier keine Sorgen zu machen!



Wenn man genau hinsieht kann man erkennen, dass dort zwei Männer mit Hund und Bier an einem Picknicktisch im Wasser sitzen. Normalerweise ist dort der Parkplatz und man kann da Rast machen. Sorry, das Foto ist gegen die Sonne fotografiert und sie stand schon tief.

Gut gefallen mir hier auch die für die Region typischen Bäume, die Boabs. Das Mirwoong-Wort dafür habe ich auch schon gelernt. ;) Die Exemplare auf dem Bild sind nicht so beeindruckend, aber manche haben wirklich lustig flaschenförmige Stämme. Die großen Früchte haben ein weißes trockenes Inneres, das man wohl essen kann, wie mir eine der Language Workerinnen erzählte. Ich habe eben mal eine gesammelt und etwas gekostet. Naja, etwas merkwürdig, der Geschmack.

Ein weiterer markanter Berg neben Kelly’s Knob ist der “Sleeping Buddha” bzw. “Elephant Rock” südlich vom Highway und hinter’m Lake Kununurra.

Damit ihr wisst, wie ich wohne sind hier auch ein paar Fotos vom Hostel, in das ich letzten Montag umgezogen bin. Hier habe ich ein Dreibettzimmer mit Kühlschrank, Fernseher und eigenem Bad für mich alleine. Sehr luxuriös!

Nur die Küche ist der absolute Alptraum, da sich die potentiellen 130 Bewohner des Hostels insgesamt nur drei Herde teilen müssen, die in desolatem Zustand sind. Der Vorteil an meiner Bleibe ist, dass direkt auf der anderen Straßenseite der größte Supermarkt in Kununurra liegt, wo ich meine Lebensmittel kaufe. Sehr praktisch! Hier mal der Blick von meiner Zimmertür zur Straße:

Und hier der Innenhof:

Von meinem Praktikumsplatz habe ich leider noch keine Fotos. Aber ich habe ja noch 9 Wochen Zeit, das nachzuholen.
Für alle, die es noch nicht wissen: Ich arbeite im Mirima Dawang Woorlab-gerring Language and Culture Centre (=”Mirima Place for Talking”). Dort versucht man, die lokale Aborigine-Sprache, das Miriwoong, zu dokumentieren und nach Möglichkeit auch zu erhalten. Letzteres gestaltet sich als recht schwierig, da es nur noch unter 20 Muttersprachler gibt und diese alle schon Senioren sind. Der letzte Sprecher der benachbarten Sprache Gajirrabeng ist beispielsweise letztes Jahr verstorben. :(
Ich arbeite dort jedenfalls mit Knut (der auch in Düsseldorf Linguistik studiert hat) und den Aboriginal Language Workers (allesamt super nett) an verschiedenen Projekten, u.a. an der Aufbereitung der Materialien zu den Sprachkursen und an einem Überblick über die Syntax. Es ist total spannend, mal linguistische “Feldforschung” live durchzuführen und die ganzen Probleme, die so auftreten, mitzuerleben. Wenn man deutsche Effizienz gewöhnt ist, dann muss man sich auf jeden Fall sehr umstellen, ganz zu schweigen von den Problemen innerhalb der Communities. Da ist Berlin-Neukölln nichts gegen. Ahem.

Nunja, der “Ältestenrat” der Community hat vor einigen Jahren das Language Centre und weitere Institutionen ins Leben gerufen, um die Kultur zu erhalten und die Leute zu unterstützen. Im ganzen Land liegt hier jedenfalls einiges bezüglich der Aborigines im Argen, und daran sind sicher nicht die Schwarzen allein schuld. Wenn man sich die Geschichte Australiens der letzten Jahrhunderte im Hinblick auf die Aborigines mal anguckt, dann braucht man sich nicht wundern, dass es heute einen Haufen Probleme gibt. Das scheint den weißen Australiern allerdings nicht bewusst zu sein, denn jeder lästert hier fröhlich über die blöden “Nigger”, die nichts anderes tun als im Park zu sitzen und zu saufen. Reflexion zur jüngeren Geschichte ist hier von Seiten der weißen Australier jedenfalls nicht zu spüren. Eine Entschuldigung der Regierung zur “Stolen Generation”, also der Entführung von Halb-Aborigine-Kindern in Umerziehungslager bis in die 1960er, ist beispielsweise erst 2008 erfolgt!
Im Gegensatz dazu finde ich die Vergangenheitsbewältigung in Deutschland vorbildlich, wenn ich das mal so arrogant sagen darf.

Nunja, das hier ist ja ein Reiseblog und keine politisches Blog, daher soll das nun nicht zu sehr ausufern, aber wenn man mit Aborigines zusammenarbeitet und die Zustände sieht, dann ist einem das halt nicht egal…

Wie auch immer, die Arbeit macht jedenfalls sehr viel Spaß, auch wenn ich diese erste Woche noch nicht viel Produktives geleistet habe. Ich habe an vielen Informations-Seminaren teilgenommen, u.a. den Sprachkursen für die Girls und der ersten Sprachkurs-Stunde für die Public Class. Außerdem saß ich beim “Ältestenratstreffen” dabei, wo ich einen guten Einblick in den Organisationsablauf des Language Centres und der Community bekommen habe. Außerdem habe ich an einem eintägigen “Cultural Awareness Training” teilgenommen, in denen man einen Überblick über die kulturellen Unterschiede zwischen Miriwoong und Weißen bekommen hat. Das war sehr spannend und ich nehme an, dass es gerade mal an der Oberfläche gekratzt hat. Leider sind die Miriwoong mit ihrer Informationspolitik sehr strikt, so dass ich keine Beispiele geben darf. Information sollte nämlich nur persönlich von Angesicht zu Angesicht übergeben werden. Hups, jetzt habe ich doch was verraten. ;)

Montag (also morgen) werden wir mit dem Centre einen Buschtrip machen, denn die Miriwoong haben einen “Native Title” zugesprochen bekommen, was heißt, dass die Regierung anerkennt, dass ein bestimmter Teil des Landes tatsächlich traditionell ihnen gehört. Das wird mit einer Zeremonie und (ich glaube) ein paar Regierungsvertretern gefeiert und danach übernachten wir im Busch. Ich freu mich und bin gespannt, wie das so alles abläuft!

Zum Abschied noch ein Foto vom Straßenfest letzten Samstag. Dort gab es eine Lichterparade und ein riesiger Barramundi wurde durch die Straßen getragen. :)

Oh, und noch eins: Lake Kununurra am Swim Beach:

3 Responses to “Alltag in Kununurra”

  1. lydia Says:

    Boah, das liest sich alles soooo superspannend und total interessant – und dann der Trip morgen, mit Übernachtung im Busch – berichte bloß schnell, wenn du wieder zurück bist!
    Schlaft ihr denn auch ganz traditionell unterm Sternenzelt auf der nackten Erde?
    Ich bin so gespannt auf deine Berichte, lass uns ja nicht verhungern!

  2. David Says:

    Ich vermisse dich! Komm schnell wieder!

  3. Nessy Says:

    Hallo Nina,
    wir freuen uns für dich, dass du soviel Glück mit deinem Praktikum und vor allen Dingen mit deinen Praktikumsleitern hast. Genieße die Zeit!!!
    Wusstest du, dass Wombats bei kleinen Kindern gerne mal eine Bauch-Kitzel-Massage mit ihren kuscheligen Füßen durchführen?!

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