Schluchten, Wasserfälle und Billabongs…

Huhu,

entschuldigung, dass ihr so lange nichts von mir gehört habt! Irgendwie habe ich hier immer was zu tun, so dass ich manchmal mit dem Blog schreiben nicht hinterherkomme.
Unter der Woche arbeite ich ja im Language Centre und ich muss sagen, dass das Praktikum noch viel besser ist, als ich erwartet hatte. Ich habe mir nun diverse kleine und größere Projekte gesucht und freue mich, dass ich tatsächlich was Sinnvolles zum Geschehen beitragen kann und nicht nur Kaffee kochen oder kopieren muss.
Das Centre ist allerdings auch überschaubar: Lediglich Knut arbeitet Vollzeit, unsere Admin-Officerin (?) Glenda ist den halben (oder Dreiviertel-?) Tag da, die Bookkeeperin (Gayle und ab heute dann Elizabeth) einmal die Woche, und die Projekt-Linguistin Frances hat auch einen Halbtagsjob. Sie arbeitet die andere Hälfte ihrer Zeit an der Nachbarsprache und ist auch diejenige, die vor etwa 40 Jahren die erste Dokumentation zum Miriwoong angefangen hat, nur mit Kassettenrekorder, Notizheft und einem Auto ausgestattet.
Außerdem haben wir noch etwa 5 Language Workers (also Miriwoong-Muttersprachler oder Fast-Muttersprachler), die an sich täglich von 8-12 arbeiten sollten. In der Realität können wir allerdings froh sein, wenn sie von Monatgs bis Mittwochs auftauchen.
Meistens werden sie zur Zeit von mir für Audioaufnahmen in Beschlaf genmmen. Im Moment arbeite ich nämlich daran, ausgesuchte Lexikoneinträge (so etwa 1500, schätze ich mal) als Audiofiles verfügbar zu machen und dabei so viele Sprecher wie möglich aufzunehmen. Langfristig soll das Ganze dann auch veröffentlicht werden, damit Linguisten und andere Interessierte auch was davon haben. :D
Ansonsten werkel ich noch an den Sprachkursen rum, schreibe an einem Kapitel über die Syntax (denn irgendwie hat dazu noch niemand was zu Papier gebracht), bereite den Seasonal Calendar als Booklet auf, erstelle mit Glennis ihren Stammbaum (zur Zeit 150 Personen und kein Ende in Sicht! Hat sie alles im Kopf! O_o), und, und, und… Ich habe also massig zu tun und bin total happy mit dem Job, besonders auch mit den netten Kollegen.
Und das ist ist -tatataa!- mein Arbeitsplatz:

Hier der Innenhof vom Language Centre. Im Raum rechts finden Language Classes und Meetings statt, rechts hinter uns ist das schallisolierte Aufnahmestudio und links im Gebäude ist unser Büro, Rezeption und Arbeitszimmer für die Language Workers.

Nun aber mal zu den Ereignissen der letzten Wochen:

Vor einem Monat waren wir mit der Arbeit für drei Tage im Keep River National Park und haben dort gecampt und kulturelle Aktivitäten (genauer: einen bestimmten Tanz) dokumentiert. Ich war für eine der Language Centre Kameras verantwortlich und abgesehen davon haben wir uns die Zeit im Nationalpark vertrieben.
Unser Camp war in einer ehemaligen Community, die aus ein paar Hütten bestand. Leider hatte die Regierung beim Bau nicht bedacht, dass die Gegend in der Wet Season so gut wie unbefahrbar ist, also wurde die Community von den Aborigines zunächst nur temporär bewohnt und später komplett verlassen. Eine Schande, denn der Ort ist wirklich total schön gelegen, am Fuße eines Berges und direkt mit anschließendem Billabong voller Seerosen.
Die verschiedenen Familien haben sich nach der Ankunft auf dem Gelände verteilt und ihre Lager aufgeschlagen. Ich habe zusammen mit Frances gecampt. Sie hat einen Pickup, in dem hinten eine Matratze eingebaut ist, auf der sie total bequem schlafen kann. Ich war ein bisschen neidisch mit meinem mickrigen Zelt. ;)

Für Essen für alle wurde von Sonya gesorgt. Sie ist Geomorphologin, spezialisiert auf Flussbetten, und arbeitet mit diversen Aborigine-Gruppen zusammen.

Wir hatten außerdem einen “Killer”, also ein ganzes (!) Rind, das frisch geschlachtet angeliefert und an alle verteilt wurde. Frances hat daraus unter anderem ein sehr leckeres Stew gekocht. Sie hatte außerdem Lust auf ein bisschen Leber und hat um ein Stück gebeten. Das hier hat sie bekommen: :D

Sehr lecker! Wir haben allerdings nicht alles geschafft…

Das Land gehört traditionellerweise bestimmten Mitgliedern der Community, die Fremde durch eine kleine Zeremonie begrüßen. Dabei wird man dem Land vorgestellt und mit ein bisschen Wasser besprenkelt. Neben mir waren noch zwei der Nationalpark-Ranger, Adrian und Yuki-san, neu an dem Ort, so dass wir zusammen das “Welcome to Country” erleben durften.

Yuki-san ist auch ein bemerkenswerter Mensch: Er hat 19 Jahre lang daran gearbeitet, endlich Nationalpark-Ranger in Australien werden zu können und es schlussendlich geschafft. Zwischendurch hat er schon Erfahrungen zu Hause in Japan und in Kanada sammeln können, immer mit dem Ziel, irgendwann endlich nach Australien zu kommen. Wir haben uns gut unterhalten und er hat sich gefreut, dass ich ein paar Brocken Japanisch kann (“Watashi-wa nihongo-o hanashimasen” ;) ).

Mit Sonya und einigen Mädels und Frauen sind wir spter zu einer Furt am Keep River gefahren und haben uns dort ein bisschen umgeschaut.

Eine Cane Toad haben wir dort auch gesehen und direkt flogen die Steine auf das Mistvieh – nachdem sie ursprünglich mal in Queensland zur Insektenvernichtung eingesetzt wurden, arbeiten die giftigen Kröten sich nun immer weiter nach Westen vor und bedrohen die einheimischen Tierarten.

Ein weiterer Punkt auf dem Plan für das Camp war die Besichtigung einer Rock Art Site, die durch ein Buschfeuer zerstört wurde. Der Platz ist wirklich einmalig gelegen, in einer Art Höhle, die nach beiden Seiten hin offen ist. Normalerweise kommen die Buschfeuer nicht so weit in die Höhle, aber da der Nationalpark Geländer aus Plastik für Besucher angebracht hatte, entwickelten sich beim Brand Dämpfe, die die Malereien geschwärzt haben. Zur Diskussion über Restaurationsarbeiten haben wir uns den Ort also angesehen.

Im Anschluss daran haben einige Männer Paperbark-Rinde gesammelt, um daraus Hüte für die Tanzaufführung herzustellen. Tolle Formen und jedes Stück absolut einzigartig! Später wurden sie noch mit weißem Pigment bemalt. Sonya und ich haben mal probegetragen. :D

Später saßen wir im Camp, wo Glennis und ihre Schwestern mir ein bisschen Kriol beigebracht haben. Das ist eine englischbasierte Kreolsprache, die von den Aborigines in Northern Territory und Kimberley gesprochen wird, und die neben Englisch ein Faktor für das Aussterben der traditionellen Sprachen ist. Trotzdem: Ai laikim Kriol! (oder so…)
Und hier sind Glennis (Mitte), eine ihrer Schwestern und ihre Enkeltochter. Und ich.

Der große Tanz fand dann am letzten Abend statt. Es war wohl eine Art Musical, das eine Geschichte in mehreren Akten erzählte. Allerdings habe ich keine Ahnung, wovon es handelte. Frances hat alles mit den alten Damen vorbereitet und ich hoffe, dass sie mir noch erzählt, worum es ging. Hier sieht man auch nochmal die schönen Merndang-Hüte, diesmal in weiß. :)

Das Tanz-Camp war für mich klasse, aber ich habe hier auch nochmal gesehen, was für ein Wahnsinnsaufwand es ist, diese kulturellen Aktivitäten zu organisieren. Das kann man sich vorher gar nicht vorstellen, und dass alles doch ganz anders kommt als geplant ist die Regel. Knut sagt mir immer wieder, dass man als feldforschender Linguist immer diverse Ausweichpläne parat haben muss. In der Tat!

Am nächsten Wochenende ging es dann wieder in die Wildnis: Diesmal allerdings privat mit Knuts Familie. Zur Zeit sind auch seine Schwiegereltern zu Besuch. Sie sind eigenlich Leverkusener (dank Bayer), leben aber mittlerweile in Schweden. Unsere gemeinsame Wanderung ging zu einer Schlucht namens Packsaddle Springs, die ein paar km von Kununurra entfernt liegt und einen nach einer etwa zweistündigen Wanderung durch das Flussbett mit einem gigantischen Wasserfall belohnt. Aber zuerst ging es durch den Busch, über Sand, durch den Fluss, über Felsen und an steilen Abhängen entlang. Seinen Ausblick muss man sich redlich verdienen, aber auch der Weg dorthin war (wie immer… ;) ) wunderschön.






Die typische Familienvater-Position am Rand der Klippe. Wenn ich mich nicht täusche, gibt es ähnliche Fotos sowohl von Papa als auch von Ulf-D. ;)

Für den Ausblick überwinde ich auch meine Höhenangst. :)

In der Nähe von Packsaddle Springs ist außerdem das Zebra-Rock-Café, wo man die namensgebenden gestreiften Steine kaufen kann. Die sehen aus wie angemalt, werden aber tatsächlich so aus dem Gestein geholt. Das Café liegt direkt am Lake Kununurra (eine gestaute Passage des Ord River) und man hat einen schönen Blick auf den Sleeping Buddha, und besonders auf den Teil der Formation, der “Elephant Rock” genannt wird.

Letzten Freitag hatte Frances auch Besuch von Verwandten und hat ihnen ebenfalls die Gegend gezeigt. Wieder einmal hatte ich das Glück, eingeladen zu werden, und so sind wir zu diversen Wasserlöchern in der Gegend gefahren, die bei Touristen noch nicht so bekannt sind. Das ist auch gut so, denn dort ist nur wenig Platz und mehr als eine Besuchergruppe passt dort nicht hin.
Am ersten Platz hat Frances uns auf Miriwoong dem Land vorgestellt und unseren Besuch erklärt, als Ersatz für ein traditionelles “Welcome to Country”. Danach waren wir in dem grandiosen Billabong baden, wirklich schön! Es waren jede Menge kleine Fische im Wasser, die in dichten Schwärmen um uns rumschwammen.



Hier sind (von links nach rechts) Michael, Ann, Frances und Bill vor dem Blackrock-Billabong.

Wie man sieht, hat Frances ebenfalls eine Vorliebe für ausgefallene Kopfbedeckungen: Sie sammelt Strohhüte und hat über zehn verschiedene. :D Mit ihrer Cousine und deren Familie habe ich mich auch total gut verstanden. Sie reisen gerade durch den Norden von Australien und kommen eigentlich aus Sydney. Beim gemeinsamen Essen später am Abend bei Frances haben sie mir von ihren Reisen, unter anderem nach Alaska, Russland und Cape York (in Australien) erzählt. Das war richtig spannend. Zum kröndenden Abschluss des Tages gab es einen köstlichen Apple-and-Berry-Pie mit Vanilleeis von Frances, der Beates Zitronenkuchen ernsthaft Konkurrenz macht. ;)

Letzten Samstag war wieder was los in Kununurra, denn die Agriculture Show fand statt. Das ist eine Mischung aus Kirmes und Landwirtschaftsmesse und die Stadt ist mal wieder voll mit Leuten. Es gab zig verschiedene Wettbewerbe, vom Schönsten Garten über die Leckersten Pancakes bis zur Besten Hutsammlung (hihi). Außerdem wurden diverse Wettbewerbe wie Tauziehen (in Achtmannteams) oder Rasenmäher-Wettrennen ausgetragen. Ich habe die Gelegenheit genutzt und mir einen echten australischen Cowboyhut gekauft. Endlich!

Btw: Das hier ist ein Geflügel (keine Ahnung, was für eins genau):

Gestern ging es dann wieder mit Knut und erweiterter Familie auf eine Wanderung, diesmal in der Nähe von El Questro Station auf der Gibb River Road. Wir waren die Schotterstraße ja vor etwa einem Monat schonmal gefahren, und da war der Zustand grandios, da der Grader kurz vorher die Strecke planiert hatte. In der kurzen Zeit seitdem hat sich die Straße aber drastisch verändert, und durch die Corrugations (Wellblechrillen) wird man ganz schön durchgeschüttelt. Dennoch ist es erstaunlich voll dafür, dass es sich eigentlich um eine der einsamsten Regionen Australiens handelt. Die Vorzüge der Kimberley haben sich wohl unter den Touristen rumgesprochen, und die Einsamkeit muss man nun mit vielen anderen Leuten teilen. Aber man kann ja niemandem einen Vorwurf draus machen, denn hier ist es einfach zu schön. :)
Am Morgen sind wir zu einer warmen Quelle gefahren. Dort sprudeln unter hohen Palmen kleine Wasserfälle und befüllen einige Billabongs, in denen man sich treiben lassen kann. Gemütlich wie in einer Badewanne und von Palmen beschattet. Wäre es ein bisschen weniger gut besucht, dann wäre es wirklich unschlagbar!

Danach wurde eine weitere Schlucht erwandert, diesmal die Moonshine Gorge. Der Weg war noch anstrengender als Packsaddle Springs, so dass wir für 5km etwa 2 1/2 Stunden gebraucht haben. Wieder ging es über Geröll, Sand und Felsen, sowie insgesamt sechs mal durch den Fluss. Puh!



Zum Glück gab es danach Lunch in Form von selbstgemachtem Sushi, sehr lecker!

Hier noch zwei “Touristenfotos” vom Anfang der Gibb River Road.

Übrigens, vor ein paar Tagen hat Glennis mir Boabnüsse geschenkt, die sie mit Schnitzereien verziert hat. Am Keep River hatte ich mir von ihr zeigen lassen, wie sie das macht, aber ich habe es irgendwie nicht richtig hinbekommen. Also hat sie mir welche geschnitzt, total nett! :D

Diese hier ist von ihrem Mann, den sie auch bequatscht hat, mir eine zu machen. :)

So, das war’s für heute. Glückwunsch an alle, die es bis hierher geschafft haben. ;)

6 Responses to “Schluchten, Wasserfälle und Billabongs…”

  1. Heiko Says:

    Die armen Kröten! Sie können doch nix dafür, dass sie giftig sind ^^

    Aber nett, so hab ich nochmal ne zusammefassung der ICQ Berichte der letzten Wochen mit Bildern ^^

  2. David Says:

    Fäääääätt
    Kommst du jetzt wieder zurück? Ich werde langsam Psycho…

  3. Lydia Says:

    Wie schön, soviel über deinen derzeitigen “Alltag” zu lesen – Wahnsinn, einfach toll!!!!

  4. otto Says:

    das ist ja richtig interessant.
    Mit Deiner Arbeit verewigst Du Dich ja in der Geschicht der Menschheit, wenn es in 30 / 40 / 100 Jahren heist, von Nina Tomala dokumentiert.
    Super! Ich werden neidisch!!

  5. mor Says:

    der Cowboyhut ist toll (-;

    steht dir *g*

  6. rasenmaeher Says:

    I go to see every day some web sites and websites to
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